0. Der kleine Snack für zwischendurch?
1. Das Futterspektrum unter natürlichen Lebensbedingungen
2. Anatomische und physiologische Besonderheiten des Verdauungskanals
3. Woraus bestehen Snacks für Kaninchen und Nagetiere?
4. Die Folgen nicht artgerechter Fütterung
5. Fazit
2. Anatomische und physiologische Besonderheiten des Verdauungskanals
Alle Zähne der Kaninchen und Meerschweinchen wachsen lebenslang. Eine ausreichende Zahnabnutzung erfolgt nur durch rohfaserreiches Futter, welches ein intensives Mahlen der Backenzähne notwendig macht, das bedeutet Heu oder Wiesengras als Grundfutter mit Ergänzung von abwechselungsreichem Frischfutter wie Blätter und Kräuter und in Maßen Obst und Gemüse.
Kaninchen und Meerschweinchen fressen häufig und in kleinen Mengen, bis ca 80 mal am Tag. Der Weitertransport des Mageninhaltes ist nur durch erneute Futteraufnahme und Nachschub möglich.
Der Blinddarm ist eine große Gärkammer, die von Bakterien (der Darmflora) besiedelt wird. Bei der Fütterung von rohfaserreicher Nahrung ist die Funktion der Darmflora gesichert. Bei Fütterung von zucker- und stärkereicher Nahrung (z.B. Getreide, Brot) stirbt die Darmflora ab und es kommt zu einer Überwucherung mit unerwünschten Bakterien, die Zellulose nicht aufspalten können. Außerdem kommt es durch die vermehrte Kalorienaufnahme durch zuckerreiche Nahrung schnell zur Verfettung.
Im Blinddarm wird als Endprodukt ein so genannter Blinddarmkot, die Zäkotrophe, gebildet. Dieser spezielle Weichkot passiert die weiteren Abschnitte des Dickdarms weitgehend unverändert, wird von den Tieren direkt vom After abgenommen und unzerkaut geschluckt, was meist als "Putzbewegung" zu beobachten ist. Er besteht aus den Bakterien selbst (die wiederum aus Eiweißen, Kohlenhydraten und in geringem Maße auch aus Fetten bestehen) sowie Mukoproteinen und Vitaminen. Bis zu 6 Stunden verweilt er im Magen, wo die Bakterien aufgrund des warmen und feuchten Milieus zunächst weiter aktiv sein können. Anschließend erfolgt im Magen und Dünndarm eine Auflösung der Schleimhülle mit nachfolgender Verdauung. Auf diese Weise sind Kaninchen und Meerschweinchen in der Lage, aus zellulosereichen Futtermitteln alle für sie notwendigen Nährstoffe selbst zu synthetisieren. Das Meerschweinchen ist lediglich auf die Zufuhr von Vitamin C angewiesen, das in frischem Obst wie z.B. Erdbeeren, Paprika und Tomaten reichlich vorhanden ist.
Kleintierpraxis
Dr. Ulrich Hecking-Veltman
Dr. Julia Hecking-Veltman
Fachtierärztin für Kleintiere
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